Don’t believe the Hype – Reloaded!
Es wird wieder zum großen, nationalen Freudenfest gebeten, denn vom 12. Juni bis zum 13. Juli findet in Brasilien die 20. Ausgabe der Fußball-Weltmeisterschaft der Männer statt.
Dieses von der FIFA organisierte Turnier ist Rahmen des nationalen Taumels, der in den kommenden Wochen erneut auf uns zukommen wird. Schon anlässlich der WM 2010 formierte sich in Braunschweig “Don’t believe the Hype” als Anlaufstelle für Menschen, die auf dieses Spektakel keine Lust haben und diesem kritisch gegenüber stehen So wurden letztlich knapp 20 Veranstaltungen organisiert, die eine Alternative bieten sollten gegenüber ungehemmter Deutschtümelei. Denn während der WM verschwimmen einmal mehr Nationalismus und Patriotismus zu einer aggressiven Mixtur, die nur solange „Spaß“ bringt, wie Deutschland nicht verliert. Und das auch nur, wenn man mitjubeln darf.
Nationalismus ist kein Spiel
Sollte ein anderes Team auf die wahnwitzige Idee kommen und die deutsche Nationalmannschaft aus dem Turnier werfen, dann wird aus dem Spaß schnell pure Aggression. Das dazugehörige Land und alles, was damit assoziiert ist, wird zur Projektionsfläche und zu einem temporären Feind erklärt. Als Italien bei der WM 2006 für ein jähes Ende des neuen deutschen „Sommermärchens“ sorgte, waren nicht nur in Braunschweig Pizza-Läden Angriffsziele von nationalistischer Massendynamik. Italiens Sieg über Deutschland ist noch immer unverziehen und hat eine tiefe Wunde im deutschen Selbstbild hinterlassen. Schon Nietzsche erkannte: “Beim Nationalismus handelt es sich um die schlechte Ausdünstung von Leuten, die nichts anderes als ihre Herden-Eigenschaften haben, um darauf stolz zu sein.” Diese Herden-Eigenschaften sorgten damals wie heute für eine erschreckende Grundstimmung, die aufzeigt, dass der so oft beschworene Spaß schnell zu Hass umschlagen kann.
Das “Wir” bestimmen “wir”
Zielscheibe werden aber noch andere. So wird ganz klar von der deutschen Mehrheitsgesellschaft vorgegeben, wer eigentlich bei diesem Großevent sich selbst dem “Wir” zuordnen darf. Gängige Diskriminierungsmechanismen greifen hier noch viel offensichtlicher als im Alltag ohnehin schon und werden in diesem Zeitraum auch von breiteren Teilen der Bevölkerung eher akzeptiert. Während ein Migrationshintergrund die Karriere in der Nationalmannschaft nicht (mehr) zerstört, wird in den Reihen der “Unterstützenden” ganz anders sortiert. Statt dem alltäglich kapitalistischen Leistungsprinzip, welches die Besten für die Mannschaft auswählt, wird beim Fansein nach anderen Merkmalen geschaut. Auf den Fanmeilen dürfen zwar theoretisch alle mitjubeln, jedoch nur so lange wie sie sich der kollektiven nationalen Identität unterordnen. Dabei gehen von der Masse vielerorts immer wieder altbekannte rassistische und diskriminierende Ressentiments aus, welche verdeutlichen, wer in Wirklichkeit dazugehört und wer nicht.
Dazu werden auch diejenigen als Feindbild entdeckt, die keine Lust haben sich dem verordneten “Party-Patriotismus” unterzuordnen, obwohl sie eigentlich nicht durchs klassische diskriminierende Raster fallen. Sie sind dann “(Vaterlands-)Verräter_innen” und werden oftmals für ihr „Spaßverderben“ angefeindet.
FIFA, Stadionbau und moderne Sklaverei
Auch für die Gesellschaften in den ausrichtenden Ländern hat das Turnier verheerende Folgen. In Brasilien und Katar (Austragungsort der WM 2022) sterben über die letzten Jahre hinweg viele Menschen, die unter teils sklavischen Bedingungen die Stadien errichten müssen und deren Leben für die Bauherren anscheinend nichts bedeutet. Das Anprangern dieser Arbeitsbedingungen stieß bisher auf keinerlei Willen zur Veränderung der Umstände, die nur ein Beispiel für die schwerwiegenden sozialen Folgen dieses weltweiten Großereignisses darstellen. In Brasilien wurden teilweise direkt ins Amazonasgebiet die neuen, übergroßen Stadien gebaut, welche nach der WM kaum Nutzen haben, den Schaden für die Umwelt aber fast irreparabel hinterlassen.
Dies zeigt: Wenn es um eine Fußball-Weltmeisterschaft geht, dann spielen die Arbeits- und Lebensbedingungen der Menschen, wenn überhaupt, nur eine untergeordnete Rolle.
Unser Sommer sieht anders aus…
Das kann für uns eindeutig kein adäquater Sommervertreib sein! Wir wollen ein solches Turnier nicht unterstützten und auch nicht mit in den nationalen Taumel einsteigen. Wir wollen mit unserer Veranstaltungsreihe, wie schon 2010, eine Plattform bieten für Alternativen, um die Zeit aktiv und sinnvoll zu nutzen. Wir wollen ein Rahmenprogramm in Braunschweig ermöglichen, bei dem sich emanzipatorische Menschen und Gruppen einbringen können, um mit Stil und Spaß einen Kontrast zu dem “schwarz-rot-geilen” Wahnsinn zu bieten. Für neue Veranstaltungsideen und um mit uns in Kontakt zu treten steht die Mailadresse dbth2014@autistici.org zur Verfügung. Lasst uns gemeinsam zeigen, wie man dieser reaktionären Flut begegnen kann.
Don’t believe the Hype – Für einen Sommer miteinander statt gegeneinander!
Euer Arbeitskreis WM-Alternative
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